Elbbrücke: Jetzt für die Ostvariante entscheiden und Planung beschleunigen

10.10.2026

Die Lauenburger Elbbrücke ist eine zentrale Verbindung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die CDU Lauenburg spricht sich nach Abwägung der bisher bekannten Auswirkungen für die Ostvariante unmittelbar neben der Bestandsbrücke aus. Jetzt braucht es eine schnelle und transparente Entscheidung des Bundes sowie einen verbindlichen Fahrplan für alle weiteren Planungsschritte.

Die bestehende Elbbrücke verbindet seit mehr als 70 Jahren Lauenburg und Hohnstorf. Über sie führen die Bundesstraße 209, die Bahnstrecke Lübeck–Lüneburg und der Geh- und Radverkehr. Ihr Zustand und die aktuellen Arbeiten am Gehweg zeigen, dass weiteres Abwarten keine tragfähige Strategie ist.

Der aktuelle Planungsstand ist auf der Projektseite des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) dokumentiert. Danach sind aus der Vorplanung zwei Varianten hervorgegangen: eine neue Straßenbrücke unmittelbar westlich und eine unmittelbar östlich der bestehenden Elbbrücke. Die abschließende Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums steht weiterhin aus.

CDU bevorzugt die Ostvariante

Die CDU Lauenburg bevorzugt auf Grundlage der derzeit öffentlich bekannten Informationen die Ostvariante. Sie schafft eine klare räumliche Trennung zwischen der neuen Straßenquerung und der Hitzler-Werft. Damit bietet sie aus unserer Sicht die bessere Perspektive, die Arbeits- und Produktionsmöglichkeiten des traditionsreichen Unternehmens langfristig zu sichern und Konflikte während Bau und Betrieb zu begrenzen.

Diese Präferenz ist mit klaren Anforderungen verbunden. Die Ostvariante darf nicht dazu führen, dass der Bahnhof Lauenburg für Hohnstorf und den Busverkehr nur noch über erhebliche Umwege erreichbar ist. Deshalb muss mit der Variantenentscheidung ein belastbares Anschlusskonzept vorgelegt werden: für Busse, Fußgänger und Radfahrer, für die Verbindung zur Altstadt und für eine attraktive Bahnhofsanbindung. Auch Lärm- und Hochwasserschutz sowie die Auswirkungen auf Natur und Anwohner müssen nachvollziehbar gelöst werden.

Wir respektieren, dass beide Varianten Zielkonflikte aufweisen. Gerade deshalb sollte das Bundesverkehrsministerium die vollständige Bewertungsmatrix einschließlich Kosten, Risiken, Umweltwirkungen, Bahnhofsanbindung, Werftbelangen und Bauablauf veröffentlichen. Eine nachvollziehbare Entscheidung schafft mehr Akzeptanz als eine weitere Verzögerung.

Entscheidung nicht weiter verschieben

Der endgültige Variantenentscheid war zunächst für das erste Halbjahr 2026 angekündigt und wurde anschließend auf Oktober verschoben. Auf der aktuellen LBV.SH-Projektseite wird die Entscheidung des Bundes weiterhin als ausstehend geführt. Die CDU Lauenburg erwartet deshalb, dass nun ohne eine weitere Terminverschiebung entschieden wird.

Mit der Entscheidung muss zugleich ein verbindlicher Gesamtterminplan vorgelegt werden. Dieser sollte mindestens folgende Meilensteine enthalten:

  • Abschluss der Vorplanung und Variantenfestlegung

  • Beginn und Abschluss der Entwurfsplanung

  • Haushaltsrechtliche Genehmigung

  • Einleitung und Abschluss des Planfeststellungsverfahrens

  • Vergabe und Baubeginn

  • Verkehrsfreigabe der neuen Straßenbrücke

  • Anschließende Lösung für die Eisenbahnquerung und die weitere Nutzung der Bestandsbrücke

Dabei müssen Bund, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, LBV.SH, DB InfraGO, die Stadt Lauenburg und die Gemeinde Hohnstorf in einer gemeinsamen Projektstruktur arbeiten. Zuständigkeiten dürfen nicht länger nacheinander abgearbeitet werden. Erforderlich sind eine benannte Gesamtprojektleitung, feste Entscheidungsfristen und eine regelmäßige öffentliche Fortschrittsübersicht.

Bestehende Brücke sichern

Unabhängig vom Neubau muss die vorhandene Querung sicher und zuverlässig funktionieren, bis die neue Straßenbrücke tatsächlich eröffnet ist. Aktuelle Informationen über die laufenden Arbeiten stellt der LBV.SH auf seiner Informationsseite zur Gehwegsanierung bereit.

Beim Rückbau des Gehwegs zeigte sich, dass die Schäden an den tragenden Konsolen größer waren als zunächst angenommen. Deshalb werden die Gehwegkonsolen vollständig ersetzt und die Planunterlagen sowie die statischen Berechnungen angepasst. Diese grundlegende Erneuerung des Gehwegs ist richtig und für die Sicherheit notwendig. Sie ist jedoch keine Gesamtsanierung der Straßen- und Eisenbahnbrücke und beseitigt nicht den Bedarf für eine neue Straßenquerung.

Die CDU fordert daher zusätzlich eine aktuelle, verständlich veröffentlichte Zustands- und Risikobewertung des Gesamtbauwerks. Dazu gehören Tragwerk, Korrosion, Straßenfahrbahn, Bahntrasse, Übergangskonstruktionen, Lastreserven und die voraussichtliche Restnutzungsdauer. Ebenso erforderlich ist ein Notfallkonzept für eine mögliche Teil- oder Vollsperrung einschließlich Rettungsdienst, Schülerverkehr, Berufspendler, Gewerbe, Bahnverkehr und weiträumiger Umleitungen.

Planung technisch beschleunigen

Beschleunigung bedeutet nicht, auf Sicherheit oder Beteiligung zu verzichten. Sie bedeutet, Planungsschritte parallel durchzuführen, digitale Verfahren konsequent zu nutzen und vermeidbare Wiederholungen auszuschließen.

Die CDU Lauenburg fordert deshalb:

  • Durchgängige BIM-Planung: Straße, Brücke, Bahn, Leitungen, Baugrund, Hochwasser- und Umweltplanung sollten in einem gemeinsamen digitalen Bauwerksmodell zusammengeführt werden. BIM ist ab 2026 als Regelprozess für neue Bundesfernstraßenprojekte vorgesehen und soll Kostenstabilität, Zusammenarbeit und Termineinhaltung verbessern.

  • Frühzeitige Baugrunderkundung: Bohrungen, Kampfmittelprüfung, Vermessung, hydrologische Untersuchungen und die Erfassung von Leitungen müssen bereits während der Entwurfsplanung abgeschlossen werden.

  • Parallele Fachplanung: Brückenentwurf, Straßenanschlüsse, Bahnhofsanbindung, Umweltplanung, Lärmschutz und Bauphasen dürfen nicht nacheinander geplant werden.

  • Standardisierung und Vorfertigung: Für Überbau, Querträger, Fahrbahnplatten und Vorlandfelder sind standardisierte beziehungsweise modulare Bauteile mit hohem Vorfertigungsgrad zu prüfen. Solche Bauweisen können die Bauzeit vor Ort verkürzen und Verkehrseinschränkungen reduzieren.

  • Stahl- oder Stahlverbundbauweise prüfen: Große Segmente können an Land oder im Werk gefertigt und anschließend eingeschoben oder eingehoben werden.

  • Montageverfahren früh festlegen: Taktschieben, segmentweiser Vorschub oder große Einhubsegmente sollten bereits in der Entwurfsplanung vergleichend untersucht werden.

  • Funktionale Ausschreibung und frühe Marktbeteiligung: Bauunternehmen und Stahlbauer sollten frühzeitig Rückmeldungen zu Lieferketten, Montageflächen, Bauverfahren und realistischen Bauzeiten geben.

  • Digitale und gebündelte Genehmigung: Die Möglichkeiten zur Digitalisierung von Planfeststellung und Beteiligung müssen vollständig genutzt werden. Das Beschleunigungsrecht sieht digitale Verfahrensschritte und Erleichterungen für Ersatzneubauten vor.

  • Gemeinsames Risikomanagement: Ein öffentlich nachvollziehbares Risikoregister sollte Verantwortliche, Gegenmaßnahmen und Entscheidungstermine für Baugrund, Werft, Bahnhof, Naturschutz, Hochwasser, Bestandsbrücke und Finanzierung benennen.

Straße und Bahn koordinieren

Die neue Straßenbrücke sollte zuerst gebaut werden, während der Verkehr über die bestehende Querung weiterläuft. Anschließend kann der Straßenverkehr auf den Neubau verlagert werden. Für die Bahn muss bereits vorher verbindlich geklärt sein, ob und wie lange sie das Bestandsbauwerk weiter nutzt und wann eine Sanierung oder eine eigenständige Eisenbahnbrücke folgt.

Straßen- und Bahnprojekt sollten getrennt realisierbar, aber gemeinsam geplant werden. So wird verhindert, dass spätere Bahnmaßnahmen erneut in die neue Straßeninfrastruktur, die Bahnhofsanbindung oder Hohnstorf eingreifen. Zugleich dürfen Straße und Schiene künftig nicht wieder so voneinander abhängig werden, dass Schäden an einem gemeinsamen Bauwerk beide Verkehrsträger gleichzeitig gefährden.

Unsere Forderungen

Die CDU Lauenburg fordert:

  1. Eine Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums ohne weitere Verzögerung

  2. Die Ostvariante als Grundlage der weiteren Planung, verbunden mit einer überzeugenden Bahnhofsanbindung

  3. Die Veröffentlichung der vollständigen Variantenbewertung

  4. Einen verbindlichen Gesamtterminplan bis zur Verkehrsfreigabe

  5. Eine gemeinsame Projektsteuerung von Bund, Ländern, LBV.SH und DB

  6. Die Sicherung der Bestandsbrücke bis zur Fertigstellung des Neubaus

  7. BIM, parallele Fachplanung, Standardisierung und Vorfertigung zur Beschleunigung

  8. Einen abgestimmten Folgeplan für die Eisenbahnquerung

    „Lauenburg braucht jetzt eine Entscheidung und danach Planung ohne Leerlauf. Wir bevorzugen die Ostvariante, weil sie den größten Abstand zur Hitzler-Werft ermöglicht. Gleichzeitig muss die Anbindung des Bahnhofs für Hohnstorf, Busse, Fußgänger und Radfahrer überzeugend gelöst werden. Unser Ziel ist eine sichere, zukunftsfähige Elbquerung – schneller geplant, modern gebaut und transparent umgesetzt.“

    Darius Brackmann, Vorsitzender der CDU Lauenburg/Elbe